Das Leather Nun Interview
Sonntag nachmittag bin ich zum Quartier Latin hingegangen (allerdings während lindenstrasse), um ein Interview mit Aron, Gitarrist und musikalischer Boss der Leather Nun, zu machen.
Ich fragte ihn, ob es irgendetwas gibt, was ich nicht über Leather Nun weiß. Er lacht und sagt: Bestimmt.
Also: Die Ledernonnen sind auf Europatournee durch Deutschland, Holland, Belgien und England. Warum eine Tour? Das sei eine Methode der Band, sich lebendig zu halten und auch Ideen für neue lieder zu sammeln. In Schweden finden L.N. Tourneen nie statt, vielleicht 3 oder 4 Gigs im Jahr.
Aron findet es gut, daß man Leather Nun's Platten nicht so häufig in Zweite-Hand-Läden findet. Aron wohnt in Götheborg und zu Hause steht er auf "Memphis" Stilmöbel, er meinte, er sei der Mann mit Geschmack in der Gruppe, da er sehr interessiert in Kunst ist. L.N. sind eine Band seit 7 Jahren, aber über die Vergangenheit wird nicht so gerne geredet. Da ihre Platten sich in der letzten Zeit gut verkaufen lassen, können sie mehr Zeit in besseren Studios verbringen, um zu arbeiten.
Aron sagte, daß er die Leather Nun Musik schreibt, aber Chefs gäbe es nicht bei ihnen.
Tagsüber in Schweden ist Aron ein Grafiker und verdient gar nicht schlecht, die Anderen sind Geschäftsmänner, Journalist, Sozialarbeiter. Freizeit hat er nicht so viel, da er workaholic ist. Er meinte, es sei eine Perversion wie Sex, man müßte es tun! Apropos Sex: Ich fragte, ob ihr lied "Fistfuckers" aus Erfahrung geschrieben sei, leider ist es von einem Anderen (Monte Cazzaza), die Musik hat Aron geschrieben und es ist eins von seinen lieblingsliedern.
Ich fragte, ob ich ihn etwas über die Coverversion von ABBA's "Gimme, Gimme" fragen dürfe, falls es ihn nicht langweile. Er sagte, auf die Idee seien sie letzten Winter gekommen. Einen Hit nachzumachen gibt viel Spannung, da alles noch einmal voll durchgearbeitet wird. Von ABBA selber gab es grünes licht und Leather Nun's Plattenfirma ist sehr zufrieden damit gewesen.
Über die Plattenhülle einigten wir uns, daß sie echt krank aussehe, wie ein Bonbonpapier. Er sagte, er habe es selber entworfen und er finde es sehr gut.
Von den Ledernonnen erscheint bald auf Wire Records eine "12" Maxi namens "Pink House" und eine Mini-LP "Lust-Games". Ich fragte, ob die Stücke gut seien und er meinte, daß liege nur an mir. Leather Nuns wollen immer etwas Neues ausprobieren und sie wollen nie in einer Kategorie festsitzen, weil man sonst vergammelt. Wir redeten übers Trinken und ein Weihnachts-Konzert in Hamburg, wo sie mit einem Kater gespielt haben. So besonders ernst nehmen sich L.N. nicht, wenn sie ein Konzert daneben spielen, dann können sie nachher darüber lachen.
Aron sieht die Zukunft der Leather Nun so: Er will eine Art kommerziellen Selbstmord machen, eine Platte machen, die so gut bzw. schlecht ist, daß jeder es im Kopf hat und man es auf der Strasse pfeift. Seit dem Erfolg von "Gimme, Gimme" haben sie etwas Anerkennung in Schweden gefunden. Ich fragte, ob seinen Eltern es auch gefalle, was sie machen. Er sagte, daß sie kein Englisch könnten (gut für manche Texte), aber sein Vater meinte, daß es einen guten Rythmus habe. Seine Eltern mögen die anderen Jungs auch. Am Abend vor dem Auftritt hat sich die Gruppe durch Berlins Kneipen durchgesoffen und sie sind erst um 6 Uhr morgens ins Hotel gekommen, deswegen trinkt Aron Kaffee statt etwas Gebrautem. Er erzählt, daß es das erste Mal sei, daß die Ledernonnen nach Berlin gekommen sind, aber 198o ist er als Tourist hiergewesen und im Excess war er, während sie eine von seinen Platten gespielt haben. Er war ziemlich überrascht. Aron ist auch damals nach Neukölln gefahren, um zu sehen, wo Iggy und Bowie gewohnt haben.
Also zurück zur Gegenwart und zum Schluß ein paar persönliche Fragen. Die Antworten lauteten so:
Abends geht er entweder in eine Bar oder er arbeitet zu Hause.
Er mag Ric Ocasek's neue LP.
Er mag ein großes Spektrum von Musik, aber besonders gefallen ihm die frühen Ramones, Velvets und Roxy Music.
Die schwarzen Schafe aus seiner Plattensammlung hat er schon längst entfernt.
Ich verabschiedete mich, um nach Hause zu gehen und vor dem Konzert mit Anne und Ron etwas zu essen.
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